Musikspiegel – eine audiobiografische Unterstützung für Menschen mit Demenz

Das Zentrum für Gerontologie (ZfG) hat die Methode des Musikspiegels von 2017–2020 wissenschaftlich untersucht und deren positive Wirkung auf Betroffene und Betreuende bestätigt.

Erinnerungen sind ein grosser Teil dessen, wer wir sind. Musik und Geräusche können dabei helfen, sich an Dinge zu erinnern. Die Methode des «Musikspiegels» wurde von der britischen Musikpädagogin und Pianistin Heather Edwards entwickelt. Ein Musikspiegel ist eine Auflistung von kurzen aufgeschriebenen Lebensmomenten, erzählt in den eigenen Worten des Menschen mit Demenz. Diese sind verknüpft mit Geräuschen und Musikstücken, welche mit den Lebensepisoden in einem individuell bedeutsamen Zusammenhang stehen. 

Bedeutsame biografische Erinnerungen können dank Musik und Geräusche aktiviert werden, um einen Zugang zu einer demenzerkrankten Person zu schaffen und eine Beziehung aufzubauen. Sie erleichtern zudem eine personenzentrierte Betreuung und fördern ein Miteinander auf Augenhöhe, indem sie helfen, eine Verbindung zu den von Demenz betroffenen Menschen aufzubauen. Dies hat das Potenzial, das Wohlbefinden sowie die Arbeitszufriedenheit der Pflegenden und Betreuenden zu steigern.

Das Zentrum für Gerontologie (ZfG) der Universität Zürich evaluierte von 2017–2020 die Verwendung der Musikspiegel bei Menschen mit Demenz im Akutspital, in verschiedenen Pflegezentren sowie zu Hause. Die Resultate zeigen, dass die Musikspiegel-Methode das Wohlbefinden von Menschen mit Demenz deutlich steigern kann, sowohl in Alltagssituationen als auch bei herausforderndem Verhalten wie Unruhe, Apathie oder Aggression. Depressive Verstimmungen bei Menschen mit Demenz verringerten sich, und die Grundstimmung von Betreuungs- und Pflegepersonen stieg. Auch nahm die wahrgenommene Nähe zwischen den Betreuungs- und Pflegepersonen und den Menschen mit Demenz zu.

Das ZfG bietet Kurse zur praktischen Erstellung und Anwendung des Musikspiegels an für Pflege- und Betreuungspersonen aus dem ambulanten und stationären Bereich, betreuende und pflegende Angehörige sowie interessierte Personen aus dem Altersbereich. Der Musikspiegel wird beispielsweise im Pflegezentrum Reusspark im Kanton Aargau regelmässig angewendet.

Bild: Jos Schmid, Zürich
 

Letzte Änderung: 21.10.2022

Neu erfasste Projekte